Warum ich pixelhavn gegründet habe
Ich weiß noch, wie der Amiga 500 gerochen hat. Dieses Plastik, warm vom stundenlangen Laufen, gemischt mit dem leichten Ozon des Röhrenfernsehers. 1992, ich war sechs. Mein Vater hatte den Rechner im Arbeitszimmer stehen, und wenn er nicht da war, habe ich Disketten eingeschoben, auf denen per Hand in der Schrift meines Vaters stand, was mich erwarten sollte. Irgendwann hat eine davon Turrican geladen. Ich bin dreißig Sekunden überlebt. Aber diese dreißig Sekunden haben gereicht.
Danach Lemmings. Monkey Island, obwohl ich kein Wort Englisch konnte und trotzdem irgendwie bis zur zweiten Insel gekommen bin. Die LucasArts-Adventures waren Rätsel, an denen ich tagelang gescheitert bin, und genau das war gut daran. Niemand hat mir gesagt, ich soll mal googeln. Es gab kein Google.
Der 286er und das Gefühl, allein auf der Welt zu sein
Dann kam der PC. Ein 286er, gebraucht, von irgendwoher. Commander Keen. Prince of Persia, bei dem ich den Zeitdruck nie verstanden habe, weil ich nicht wusste, dass man das Spiel in einer Stunde schaffen muss. Ich habe es trotzdem irgendwann geschafft. Keine Ahnung wie.
Was ich an dieser Zeit vermisse: Spiele waren abgeschlossen. Man hat sie gekauft, eingelegt, gespielt. Kein Day-One-Patch. Kein Season Pass. Kein "für 4,99 im Monat bekommst du auch noch...". Wenn ein Spiel fertig war, war es fertig. Diese Einfachheit fehlt mir manchmal.
Und gleichzeitig weiß ich, dass das Nostalgie ist. Dass Baldur's Gate 3 besser geschrieben ist als alles, was ich in den 90ern gespielt habe. Dass Factorio ein Meisterwerk ist, das mich um drei Uhr nachts nicht ins Bett lässt, weil ich nur noch diese eine Produktionslinie optimieren muss. Nur noch die eine.
Jede Nintendo-Konsole. Jede.
Irgendwann habe ich angefangen, jede Nintendo-Konsole zu kaufen, die rauskam. SNES, N64, GameCube, Wii, Switch. Jede. Nicht weil ich Sammler bin, sondern weil Nintendo das Einzige ist, das dieses Gefühl von damals manchmal zurückbringt. Ein neues Zelda anfangen fühlt sich immer noch an wie das erste Mal eine Diskette einlegen. Fast.
Heute sitze ich abends auf der Couch und mein Sohn nimmt sich den zweiten Controller. Er hat gerade Zelda für sich entdeckt, und ich schaue ihm zu, wie er gegen einen Bokblin kämpft, den ich vor zwanzig Jahren selbst das erste Mal gesehen habe. Das sind Momente, die mich fertigmachen. Im guten Sinne. Meine Tochter feiert derweil die blaue Muschel in Mario Kart, weil sie begriffen hat, dass man hinten bleiben muss, damit man sie kriegt. Taktik in Reinform.
Warum ich ein Portal baue, das Deals vergleicht
Im Hauptberuf bin ich Gründer einer Agentur für Digitalisierung. Full-Stack Entwickler, mehrere SaaS-Plattformen, Projekte rund um KI und Automatisierung. Das ist das, womit ich meine Brötchen verdiene. Aber ich bin auch Gamer, und als Gamer kaufe ich ständig Zeug. Energy Drinks für die Abendsession. Game Keys, weil der Steam Sale mal wieder zugeschlagen hat. Hardware, weil die Grafikkarte von 2020 langsam Geräusche macht, die sie nicht machen sollte.
Und jedes Mal dasselbe: zehn Tabs offen, drei verschiedene Preisvergleiche, Gutschein-Codes, die nicht funktionieren, Shops, die Rabatte anzeigen, die es eigentlich nie gab. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum gibt es kein Portal, das mir einfach sagt, wo der beste Preis ist? Ohne dass ich raten muss, ob der "Rabatt" echt ist?
Es gibt Vergleichsportale für Versicherungen, für Strom, für Flüge. Aber für Gaming? Für Supplements, Keys, Hardware, Peripherie? Nichts, das wirklich für Leute wie mich gemacht war.
pixelhavn
Also habe ich es selbst gebaut. pixelhavn. Pixel. Hafen. Ein Ort, an dem man ankommt und nicht weitersuchen muss.
Der Name klingt vielleicht etwas zu poetisch für ein Deal-Portal. Mir war das egal. Ich wollte einen Namen, der nach Gaming klingt, nicht nach Preisvergleich. Weil es mir nicht nur um Preise geht. Es geht darum, dass jemand, der abends drei Stunden zum Zocken hat, nicht eine davon mit Preise-Vergleichen verbringen sollte.
Was mich an den existierenden Portalen gestört hat:
Bezahlte Platzierungen, bei denen der teuerste Anbieter ganz oben steht, weil er die höchste Provision zahlt
Rabatte, die keine sind, weil der "Originalpreis" frei erfunden wurde
Seiten, die aussehen, als hätte jemand 2008 ein WordPress-Theme installiert und seitdem nichts mehr angefasst
Bei pixelhavn bestimmen die Daten die Reihenfolge. Nicht das Werbebudget eines Shops. Wenn ein Deal gut ist, steht er oben. Wenn nicht, dann nicht. Das klingt selbstverständlich, ist es in der Branche aber nicht.
Was ich eigentlich will
pixelhavn soll mehr sein als ein Preisvergleich. Die Deals bleiben, klar. Aber ich will hier auch über Spiele schreiben. Was ich gerade zocke, welches Indie-Game mich nachts wachgehalten hat, welcher SNES-Titel es wert ist, nochmal die Cartridge rauszupusten. Und wenn in der Gaming-Welt irgendwas passiert, das mich beschäftigt, lest ihr davon.
Ob das jemanden außer mich interessiert, keine Ahnung. Ich bin Entwickler, kein Journalist. Aber ich zocke seit dreißig Jahren und hab Meinungen zu Spielen, ob mich jemand danach fragt oder nicht. Ich schreib hier drüber, weil ich Lust drauf hab. Mal ein Indie-Game für zwanzig Euro, mal ein vergessener Klassiker, mal der neueste große Release. pixelhavn soll sich lesen, als würde man mit jemandem quatschen, der einfach gern zockt.
Jetzt muss ich Schluss machen. Enshrouded wartet. Ich muss noch ein paar Mats farmen, damit ich endlich meine Eisrüstung zusammenbekomme.
Julian